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Georgios Tziafetas, M.A.

Dissertationsprojekt:

‚‚Der Leningrader Damm 1965-2011: Auseinandersetzungen um städtische Infrastruktur und Umwelt im sowjetischen und post-sowjetischen Kontext“

Die offizielle moderne Statistik zählt seit der Gründung von St. Petersburg 309 Hochwasser der Newa in der Stadt (Stand: 2011), davon allein 51 seit 1980. Die als gefährlich eingestuften Überschwemmungen entstehen nicht dadurch, dass der Fluss von seinem Oberlauf mehr Wasser mitbringt, sondern durch das Zusammenwirken von Flut, Seegang und Windstaueffekt vor der Küste. Der Westwinddruck in den Finnischen Meerbusen hinein verhindert dabei den Abfluss des Wassers und kann in extremen Fällen die Fließrichtung der Newa umkehren. Dadurch entstehen Sturmfluten.

Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in mehreren Phasen diskutierte Option einer Dammkonstruktion nahm seit den 1960er Jahren die Rolle eines Kern-Infrastrukturobjekts für Leningrad ein und wird im Rahmen einer soziokulturellen Infrastruktur- und Umweltgeschichte Leningrads/St. Petersburgs untersucht. Schon seit der Projektauswahl in den 1970er Jahren und bis zur Nutzung des fertiggestellten Dammes im Jahr 2011 kam es zu einer Reihe von teils heftigen Auseinandersetzungen über den Bau, die sich in verschiedene Perioden der Politikgeschichte einordnen lassen.

Im Fokus des Projekts stehen die Formen der Partizipation und kollektive Identitäten sowie die Kommunikation und die wechselvollen Beziehungen zwischen drei Gruppen von kollektiven Akteuren. Dies sind: 1.) Vertreter von Partei- und lokalen Verwaltungsapparaten, 2.) Experten und Wissenschaftler, und 3.) zivilgesellschaftliche Akteure.

Die Hauptfragen der Untersuchung lauten: Welche technischen und sozialen Akteure waren bei den Lösungen der stadtökologischen Probleme Leningrads beteiligt? Welche gesellschaftlichen Gruppen und Bewegungen kristallisierten sich heraus, und welche Formen nahmen die Wechselwirkungen zwischen den Akteuren an? Welche Diskurse entstanden dabei? Welche Erkenntnisse lassen sich hierbei über den Wandel der Wahrnehmung ökologischer Probleme im Zeitverlauf in der Sowjetunion/Russischen Föderation gewinnen, über politische Konstellationen und Kommunikationsmechanismen im Allgemeinen?

Die Ausdehnung des Untersuchungszeitraums auf die postsowjetische Periode erlaubt es, diachron vergleichen und die Unterschiede in den Akteurs- und Kommunikationskonstellationen in den beiden politischen Systemen herausarbeiten zu können.

1992: Abitur am Griechischen Lyzeum in Tübingen

10/1996-03/2001: Studium der Geschichte an der Ionischen Universität Korfu/Griechenland

03/2001-08/2002: Wehrpflichtiger in der griechischen Armee

09/2002-06/2004: berufliche Ausbildung, Institut für berufliche Ausbildung I.E.K. Galatsiou (Athen), Ausbildung als Fachanwender in Multimedia-Software in den Geistes- und Sozialwissenschaften

10/2004-09/2005 Praktikum, tätig am «Forschungszentrum für die Geschichte des Nationalen Widerstands» im Zweiten Weltkrieg (ΚΜΙΕΑ = Κέντρο Μελέτης Ιστορίας Εθνικής Αντίστασης) in Athen

05/2006-09/2006 Tätig bei Daimler-Benz, zur Finanzierung von Russland-Aufenthalten

10/2006-07/2007 Auslandsstudium, Vorbereitungsstudium an der Staatlichen Universität Woronesch (Russland)

Seit 2008 Tätigkeit im Gastronomiebetrieb zur Finanzierung des Studiums

10/2009-02/2014: Master-Programm (M.A.) Neuere und Neueste Geschichte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Abschluss mit der Masterarbeit „Flutkatastrophe und Umweltverschmutzung: Die gesellschaftliche Debatte um den Leningrader Dammbau in den 1980er Jahren“, Masterarbeit Note „sehr gut“ (1,3), Gesamtnote „gut“ (1,8)

Vorträge

28. Juni-02 Juli 2017
Teilnahme an der 8th Biennial Conference of the European Society for Environmental History (ESEH) in Zagreb. Präsentationsthema: “The Leningrad Dam in the Gulf of Finland and Heated Public Discussions at a Historical

Watershed (late 1980s-early 1990s)” (auf Englisch)

18. Mai 2017
Vortrag an das Oberseminar (Kolloquium) der Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, der Friedriech Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Präsentationsthema: „Wasserinfrastrukturen und soziopolitischer Wandel: der Leningrader Damm 1965-2011“ (auf Deutsch)

31. Januar 2017
Teilnahme an dem Doktoranden-Workshop der Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, der Friedriech Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Präsentationsthema: „Der Leningrader Damm 1965-2012: Flutkatastrophe vs. Umweltverschmutzung. Konkurrenz der Bedrohungen als soziale und politische Kontroverse vor, während und nach einer Systemtransformation“ (auf Deutsch)

30. Juni-03. Juli 2015
Auf Einladung des ‚‚Instituts für Geschichte der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg‘‘ Vortrag mit dem Thema: „Überschwemmungen versus Ökologische Katastrophe: Die gesellschaftliche Debatte um den Leningrader Dammbau während der Perestroikazeit“ (auf Russisch)

08.-09. Oktober 2015
Teilnahme an der internationalen Konferenz zum Thema “Resistance, Protest and Criticism in the Name of Nature: USSR and Post-Soviet States, 1950-2010”, in Moskau, organisiert von EcoGlobReg. Präsentationsthema: „Überschwemmungen versus Ökologische Katastrophe: Die gesellschaftliche Debatte um den Leningrader Dammbau während der Perestroikazeit“ (auf Russisch)

30. Juni-03. Juli 2015
Teilnahme an der 8th Biennial Conference of the European Society for Environmental History (ESEH) in Versailles. Präsentationsthema: „Flooding versus Ecological Catastrophe: Public Debates around the Construction of the Leningrad Dam (1970s-1980s) (auf Englisch)

20.-24. August 2013
Teilnahme an der 7th Biennial Conference of the European Society for Environmental History (ESEH) in München. Präsentationsthema: “The Ecologists versus the Builders: the Conflict over the Leningrad Dam in the Nineteen-Seventies and Eighties” (auf Englisch)

21.-22. Februar 2013
Teilnahme am Workshop „Katastrophen im östlichen Europa vom 18. Jahrhundert bis heute“ an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen mit dem Vortrag „Flutkatastrophe versus Umweltverschmutzung: Die Konkurrenz der Bedrohungen in der öffentlichen Diskussion über den Leningrader Dammbau während der 1980er und 1990er Jahre“ (auf Deutsch)

28. Juni-02. Juli 2011
Teilnahme an der 6th Biennial Conference of the European Society for Environmental History (ESEH) in Turku, Finnland. Präsentationsthema: „Society against the Experts: Conflict about the Leningrad-Dam in 1980s“ (auf Englisch)

28. Oktober 2010
Auf Einladung der Philologischen Fakultät der Staatlichen Universität St. Petersburg Vortrag mit dem Thema: „Der Leningrader Damm in den 1980er Jahren“ (auf Griechisch)

22.-24. April 2010
Teilnahme an der Konferenz der „Society for the Advancement of Scandinavian Studies“ und der „Association for the Advancement of Baltic Studies“ in Seattle (USA). Präsentationsthema: “Society against the Experts: Conflict about the Leningrad Dam in 1980s” (auf Englisch)

Publikationen

The ecologists versus the builders: the conflict over the Leningrad dam in the nineteen-seventies and eighties,

in: Peterburgskij istoričeskij žurnal, 1 (2014), S. 182-189 (in englischer Sprache)

Rezensionen

Rezension zu: Laurent Coumel and Marc Elie, eds. “A Belated and Tragic Ecological Revolution: Nature, Disasters, and Green Activist in the Soviet Union and Post-Soviet States, 1960s–2010s.” Special issue of Soviet and Post-Soviet Review, 40 (2013) 2, in: Laboratorium 7 (2015) 2, S. 221-225 (auf Russisch)