Die (Un)sichtbaren: „Ostarbeiter“ und die Landschaft des Gedenkens in Deutschland

Über 13 Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg vom Deutschen Reich zur Arbeit gezwungen. Zwangsarbeit war kein Randphänomen, sondern durchdrang Alltag und Wirtschaft – in Betrieben, auf Feldern, in städtischen Einrichtungen und in Privathaushalten. Besonders Verschleppte aus Osteuropa waren rassistischer Entrechtung, Stigmatisierung und willkürlicher Gewalt ausgesetzt; viele wurden inhaftiert oder ermordet. Nach 1945 blieben Anerkennung und Entschädigung lange aus, und vielerorts sind Gräberfelder, Lagerstandorte und Biografien bis heute kaum bekannt.

Der Workshop widmet sich der Geschichte der NS-Zwangsarbeit mit besonderem Fokus auf die sogenannten „Ostarbeiter:innen“ sowie aktuellen Fragen der Erinnerungs- und Gedenkkultur in Deutschland. Internationale Wissenschaftler:innen aus Archiven, Gedenkstätten und Universitäten diskutieren neue Quellen, lokale Fallstudien und erinnerungspolitische Perspektiven.

Alle Interessierten sind herzlich willkommen.


Programm

14:00 – 14:30 | Eröffnung und Begrüßung

Katja Makhotina, Moritz Florin, Maria Parkhomenko

· 14:30 – 16:00 | Panel 1: Archive und Quellen I

Moderation: Marc-Stephan Junge

Hanna Lehun – Von Fragmenten zu Archiven: Wiederherstellung persönlicher Geschichten der NS-Verfolgung in der Ukraine

Olga Kröninger – Die Häftlingsdatenbank „Memorial Archives“ der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg: Ein Werkzeug für Schicksalsklärung, Forschung und Vermittlung

Heiko Kiser – Die KZ-Gedenkstätte Engerhafe und die Recherche zur NS-Zwangsarbeit

auf der ostfriesischen Halbinsel

· 16:00–16:30 | Kaffeepause

· 16:30 – 18:30 | Panel 2: Archive und Quellen II

Moderation: Moritz Florin

Tetiana Pastushenko – Quellen zur Erforschung des Themas Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus in den Archiven der Ukraine

Maria Parkhomenko – „Wer sind die ‚Ostarbeiter‘?“ Zur (Un-)Sichtbarkeit ukrainischer Zwangsarbeiter:innen im lokalen Kontext Erlangens

17:15 – 17:30 | Pause

Mariia Shevchenko – Documents in the State Archives of the Dnipropetrovsk Region Relevant to the Analysis of the Situation of Ukrainian Forced Labourers in Germany during World War II: The Example of Camps in Erlangen

Janna Keberlein – Schicksale der NS-Zwangsarbeiter*innen aus der Sowjetunion in Düsseldorf: Ein Werkstattbericht

· 18:30 – 20:00 | Roundtable: Berichte aus der Praxis

Moderation: Katja Makhotina

Mit Christoph Maier / Ina Schönwald (Stadtarchiv Lauf a. d. Pegnitz); Olena Korzun (Kyiv); Florian Kemmelmeier (Uhrenindustriemuseum Villingen-Schwenningen) sowie Ulrike Huhn (Lernort Demokratie Verden (Aller) / Ksenja Holzmann (Denkort Bunker Valentin/ Landeszentrale für Politische Bildung Bremen)

· ab 20:30 | Gemeinsames Abendessen

Freitag, 20. März 2026

· 09:00–10:30 | Panel 3: Orte der Gewalt

Moderation: tbc

Benedict von Bremen – Ostarbeiterinnen und Ostarbeiter in der Pfalz 1942–1945

Alexey Tikhomirov / Anastasiia Zaplatina – Un-/Sichtbare Nachbarschaften: Rechtsstatus, (Über-)Lebensräume und Handlungsmöglichkeiten der Zwangsarbeiter*innen in Bielefeld, 1933–1945

Bernhard Bremberger – Blankenfelde-Nord: Rückkehrerlager, Krankensammellager und Sterbelager für „Ostarbeiter“ in Berlin-Pankow

· 10:30–11:00 | Kaffeepause

· 11:00–12:30 | Panel 4: Schicksale „danach“

Moderation: Marc-Stephan Junge

Olga Danilenko – Ehemalige „Ostarbeiter:innen“ als Häftlinge im sowjetischen Speziallager Nr. 7 / Nr. 1 in Sachsenhausen bei Oranienburg

Maria Fiebrandt – Multiple Verfolgungszusammenhänge. Die Ermordung von „Ostarbeiterinnen“ in der Landesanstalt Großschweidnitz und die Erinnerung an diese Opfergruppe nach 1945

Ulrike Huhn – Fotos aus dem Repatriierungslager Nr. 222 Fürstenberg/Havel, Sommer 1945

· 12:30–13:30 | Mittagsimbiss

· 13:30–15:00 | Panel 5: Erinnerung I

Moderation: Katja Makhotina

Susanne Maslanka – Zwangsarbeit als „normaler Kriegsschaden“? Die Haltung der Bundesregierung zur Entschädigung für „Ostarbeiter“ Anfang der 1990er Jahre

Jan Daniluk – Das Problem des Gedenkens an Zwangsarbeiter im regionalen Kontext: Das Beispiel des ehemaligen Reichsgaues Danzig–Westpreußen

Lotta Storm – Leerstellen ausleuchten, ungehörte Geschichten erzählen, Verbindungen aufzeigen: NS-Zwangsarbeit in der historisch-politischen Bildung

· 15:00–15:30 | Kaffeepause

· 15:30–17:00 | Panel 6: Erinnerung II

Moderation: Moritz Florin

Daria Reznyk – Decolonising the Memory of Forced Labour: Prospects and Challenges (on the Example of the Work of the Ukrainian NGO After Silence in Germany)

Valerii Cherniavskyi – Zwischen Erfahrung und Ideologie: Einfluss ideologischer Diskurse auf die Deutung der Zwangsarbeitserfahrung in den Narrativen der Ostarbeiter 1942–2020

Marc-Stephan Junge – Selbstbehauptung unter widrigsten Umständen: Polina Kozina, mit 14 Jahren verschleppt zur Zwangsarbeit an der Ruhr, 1942–1945

18:00–19:00 | Key note

Moderation und Diskussionsleitung: Katja Makhotina

Gelinada Grinchenko – (Re)Writing Forced Labour: Frameworks of Interpretations in Soviet and Post-Soviet Contexts

File Name
Programm – OEG-Tagung Die (Un)sichtbaren – 2026
File Size
2 MB
File Type
PDF

Ort

Sitzungssaal der Alten Universitätsbibliothek

Universitätsstraße 4
91054 Erlangen

Organisation

Prof. Dr. Katja Makhotina
katja.makhotina@fau.de
PD. Dr. Moritz Florin
moritz.florin@fau.de
Dr. Maria Parkhomenko
maria.parkhomenko@fau.de
gefördert durch: