Im April 2026 war Dr. Pavlo Yeremieiev von der Karazin-Universität Charkiw zu Gast an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Im Rahmen des Erasmus+-Programms verbrachte der ukrainische Historiker zwei Wochen am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas.
Höhepunkt des Aufenthalts bildeten der öffentliche Vortrag „The Religious Past of the Ukrainian Lands in the Narratives of the ‘Long’ Nineteenth Century“ am 29. April 2026 sowie ein thematischer Input im Hauptseminar von Prof. Dr. Katja Makhotina.

Der Vortrag fand als gemeinsame Sitzung des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas, des Lehrstuhls für Geschichte der Frühen Neuzeit sowie der Professur für Neuere Bayerische und Fränkische Landesgeschichte und Volkskunde statt. Dr. Yeremieiev sprach darüber, wie die russische nationale Historiographie des 19. Jahrhunderts die religiöse Spezifik der ukrainischen Länder behandelte bzw. ausblendete und welche Rolle die Religion bei der Konstruktion nationaler Identitäten spielte.
Im Hauptseminar zur Entwicklung der Gewissensfreiheit diskutierte er mit den Studierenden religiöses Dissidententum und dessen Verfolgung als „unbequemes Thema“ in der russischen Nationalhistoriographie sowie die Nationalisierung der Orthodoxie im langen 19. Jahrhundert. Die lebhafte und nuancierte Diskussion zeigte großes Interesse der Studierenden an ukrainischer und osteuropäischer Geschichte.

Prof. Dr. Katja Makhotina fasste den Besuch zusammen:
Pavlo Yeremieiev hat uns mit komplexen, nuancierten und sehr anregenden Fragen zur Geschichte des ‚langen 19. Jahrhunderts‘ im Russischen Reich, besonders in Bezug auf die Ukraine, inspiriert. Wir haben viel gelernt – über Nationen als Ergebnis bewusster Entscheidungen und über die zentrale Rolle der Religion bei der Gestaltung von Kultur, Politik und Sprache.
Dr. Pavlo Yeremieiev zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden:
Der Besuch war für mich sowohl beruflich als auch persönlich eine große Bereicherung. Die öffentliche Vorlesung und die Arbeit im Seminar haben mir wertvolles Feedback gegeben und noch einmal bestätigt, dass die ukrainische Perspektive ein wichtiger Bestandteil des internationalen akademischen Dialogs ist.
Während seines zweiwöchigen Forschungsaufenthalts nutzte Dr. Yeremieiev intensiv die Universitätsbibliothek und führte zahlreiche fachliche Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen des Lehrstuhls.
Der Lehrstuhl dankt Dr. Pavlo Yeremieiev herzlich für seinen inspirierenden Besuch und freut sich auf die Fortsetzung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit.

